Rückblick: Klaviermusik zu Zeiten des Brexit

Rückblick: Sonntag 08.03.2020, Erlöserkirche Bad Soden

Die evangelische Kirchengemeinde Bad Soden-Salmünster lud ein zu einer Stunde mit britischer, kontinentaleuropäischer und amerikanischer Klaviermusik mit dem Pianisten und Organisten Frank Kleespies ein. (Graphik: F. Kleespies)

Es erlangen Klavierwerke von Georg Friedrich Händel, Ola Gjeilo, William Lloyd Webber, George Gershwin und Scott Joplin.

Zum Konzerttitel meinte Frank Kleespies, als Musiker könne man sich bisweilen nur wundern, was auf der politischen Bühne so gespielt werde. Musik hat sich, soweit wir denken können, immer im internationalen Rahmen weiterentwickelt. Neue Musikstile wurden über Ländergrenzen hinweg weitergegeben. Selbst ein Komponist wie Johann Sebastian Bach, der zeit seines Lebens den mitteldeutschen Raum selten verlassen hat, befand sich in stetem Austausch mit Kollegen und war stets im Bilde darüber, was sich musikalisch in Italien oder Frankreich tat. Georg Friedrich Händel ist von Halle über Hamburg und Hannover nach England gegangen und dort zu dem Komponist am englischen Hofe avanciert. Ola Gjeilo ist von Norwegen nach New York umgezogen und schreibt dort Stücke für Chor oder Klavier, in denen sich die nordische Landschaft genauso spiegelt wie die Millionenstadt. Da könne man nur staunend zur Kenntnis nehmen, dass jemand meine, mit mehr Grenzen funktioniere alles besser. Oder mit mehr Abgrenzung. Andererseits habe man den Eindruck, dass der Brexit, der vor wenigen Wochen noch die Gemüter erregte, schon fast wieder in Vergessenheit gerät. Und Drohgebärden von jenseits des Atlantik an den Rest der Welt würden mehr und mehr mit Gleichgültigkeit quittiert.

Wenn er als Musiker das alles nicht so recht verstehen könne, so Frank Kleespies, wollte er es wenigstens verbessern. Und, bevor das alles in Vergessenheit gerate, die Gefühlslage ein wenig musikalisch aufarbeiten. Vor allem aber konnte das reichlich erschienene Publikum eine Stunde Klaviermusik, dargeboten auf dem in der Erlöserkirche stehenden Petrof-Flügel, genießen.

Frank Kleespies/Fedy Henning/Admin